„Wir wollen nach der Corona-Krise nicht in einer Nahrungsmittelkrise landen“

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„Wir wollen nach der Corona-Krise nicht in einer Nahrungsmittelkrise landen. In der aktuellen Situation zeigt sich, welche Technologien halten, was sie versprochen haben, und es ist jetzt an der Zeit, Veränderungen in der Nahrungsmittelkette zu forcieren“, meint Yasir Khokhar, CEO des AgTech-Unternehmens Connecterra und damit am Projekt Farming vor Generations von Danone beteiligt.

Louisa Burwood-Taylor von der Risikokapitalplattform AgFunder, Cees Jan Hollander, der sich bei Danone mit landwirtschaftlichen Verfahren in aller Welt befasst, und Yasir Khokhar, CEO von Connecterra, haben in einem virtuellen Interview über den Fortgang des Projekts Farming for Generations und den Einfluss von COVID-19 auf das Business gesprochen.

Verantwortung für Milchviehhalter

In dem Video-Interview hat Hollander die Gründe für den Start von Farming for Generations erläutert. „Landwirte sind gern bereit, so schnell wie möglich auf nachhaltige Verfahren umzustellen, wissen aber häufig nicht, wo sie anfangen sollen. Was ist am besten für Ihren Betrieb, in ihrer Region und die jeweiligen Abläufe? Die Landwirte, auf deren Produkte wir uns verlassen, wünschen sich dabei eine Begleitung. Hier haben wir eine Verantwortung. Bei Farming for Generations haben sich sieben Partner zusammengeschlossen, um ihre best practices für eine regenerative Landwirtschaft zu ermitteln. So kann jeder Landwirt das umsetzen, was für ihn den größten Erfolg verspricht. Wir haben uns für dieses Konsortium entschieden, um das ganze vorhandene Wissen zu bündeln, und weil alle sieben Partner von Farming vor Generations dieselbe Vision und Strategie für eine regenerative Landwirtschaft haben. Wir möchten Fehler beheben und erhalten, was gut läuft. Wir müssen uns hier einfach engagieren”, berichtet Hollander.

Datenmodell für Betriebe

Auch Connecterra ist Teil des Konsortiums von Farming for Generations. Dazu Khokhar: „Wir freuen uns, an dem Projekt teilnehmen zu können, und schon unser Name erklärt ja, warum wir dazu passen: Connecterra bedeutet ,verbundene Erde‘. Wir befassen uns mit den Interaktionen bei verschiedenen Aspekten der Landwirtschaft, z. B. den Interaktionen zwischen Tieren, dem Boden, dem Futter, Managementpraktiken und unterschiedlichen Genomen. Wie beeinflusst all das das Verhalten von Tieren und die landwirtschaftlichen Verfahren im Allgemeinen. Deshalb erstellen wir für Betriebe ein Datenmodell, mit dem wir bestimmte Key Performance Indicators (KPIs) verbessern können. Wichtige KPIs für eine regenerative Landwirtschaft sind z. B. der Gesamtausstoß von Treibhausgasen je Hektar Land oder je Kilogramm Milch. In die Erstellung der Datenmodelle fließen große Datenmengen ein. Es ist das perfekte Szenario für Modelle, die auf maschinellem Lernen basieren. Und genau damit befassen wir uns bei Connecterra.“ Khokhar ist davon überzeugt, dass sein Unternehmen in dem Konsortium eine wichtige Rolle spielen kann. Indem es für einen effektiven Austausch von Daten, Erkenntnissen und Analysen zu best practices sorgt und diese best practices mithilfe von Daten erst ermittelt, stellt es gewissermaßen das Bindeglied zwischen den einzelnen Teilen dar. Hollander ergänzt: „Auch das Streben von Danone, die Landwirtschaft regenerativer zu gestalten und die Kosten für die Milchproduktion zu senken, fließen hier mit ein. Dabei spielt die Technik eine Rolle. Genau deshalb arbeiten wir mit Connecterra zusammen, denn mit deren Technologie lassen sich Kosten sparen und die Leistung der Kühe verbessern. Dazu werden etwa kranke Kühe frühzeitig erfasst, was zu geringeren Kosten für Behandlungen und Antibiotika und nur minimalen Produktionsausfällen führt.

Technologien, die ihren Wert in der Krise beweisen

Bei dem Online-Interview von AgFunder ging es – natürlich – um COVID-10 und die Folgen der Krise für die Milchindustrie als Ganzes und das Tagesgeschäft von Danone und Connecterra. Dazu Khokhar: „Wir sehen, dass sich während der Corona-Krise einige Probleme in der Landwirtschaft verstärken. Für neue Betriebe war es bisher schon schwer, genügend qualifizierte Arbeitskräfte zu finden. Diese Problem erreicht jetzt eine ganz neue Dimension. Die Arbeitskräfte können in den USA überhaupt nicht mehr reisen und die meisten Mitarbeiter in Milchviehbetrieben sind Einwanderer. Auch die Logistik in der Nahrungsmittelkette hat mit Problemen zu kämpfen. Dadurch wurden die Verbindungen der Branche (teilweise) unterbrochen. Dagegen müssen wir etwas tun. Die Schlüsselfrage dabei ist, welche Rolle die Technik spielen kann. Wie können wir Daten nutzen, um wirksame Entscheidungen zu treffen?“

Wir wollen nach der Corona-Krise keine Nahrungsmittelkrise

Khokhar zufolge geht es in der Landwirtschaft jetzt mehr denn je darum, Kosten zu senken und Abläufe zu optimieren. In Krisenzeiten wie diesen trennt sich bei den Technologien für Milchviehhalter die Spreu vom Weizen. „Einige Lösungen versprechen viel, können das aber angesichts von COVID-19 nicht halten. Diejenigen, die jetzt liefern, setzen sich durch“, weiß Khokhar. Technologie ist ein ausschlaggebender Punkt, wenn es darum geht, Betriebe widerstandsfähiger zu machen. Aber auch in anderen Teilen der Nahrungsmittelkette wird sie eine wichtigere Rolle spielen. Dazu Khokhar: „Wir wollen nach der Corona-Krise nicht in einer Nahrungsmittelkrise landen. Interessanterweise beobachten wir in dieser Krise, dass die Verbraucher sich wieder stärker auf Grundnahrungsmittel besinnen, z. B. Milch. Das wird sich auch darauf auswirken, wie die Lebensmittelsicherheit und die Nahrungsmittelkette nach der Krise organisiert werden. Es wird noch mehr Wert auf Qualität und Transparenz gelegt werden und die Akteure in der Nahrungsmittelkette werden stärker auf die Technik setzen müssen, um ihre Angaben mit Daten zu belegen. Wir von Connecterra arbeiten daran, neue Datenquellen zu erschließen, mit denen die Akteure den Verbrauchern offenlegen können, wie die Produkte erzeugt werden. Das möchten wir in großem Umfang einsetzen.“

Nachhaltigkeit hat weiterhin hohe Priorität

Auch wenn die Situation für die Landwirte aktuell schwierig ist, wird die Nachhaltigkeit für Danone und Connecterra auch in Zukunft hohe Priorität haben. „Wir denken langfristig. Die Corona-Krise ist weitreichend und niemand hat sie kommen sehen. Irgendwann wird sie aber zu Ende sein. Andere Dinge dagegen sind vorherzusehen, z. B. der Klimawandel. Wir müssen langfristig denken und werden weiter daran arbeiten, die Landwirtschaft regenerativer zu gestalten. Diese Krise zeigt uns, dass wir dabei noch schneller werden müssen“, meint Khokhar. „Ungeachtet der aktuellen Krise müssen wir uns in der Landwirtschaft langfristig orientieren. Beim Thema Nachhaltigkeit geht es auch um finanzielle Nachhaltigkeit für die Landwirte. Wir möchten dafür sorgen, dass die Betriebe widerstandsfähiger sind und über die richtigen Hilfsmittel für Bodengesundheit, Tiergesundheit usw. verfügen. Genau deshalb sind Projekte wie Farming for Generations so wichtig, jetzt mehr denn je“, meint Hollander zum Schluss.